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aktualisiert 26.03.12

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Wesen und Ursachen der Tierkrankheit

Der gesunde Organismus befindet sich in einem angepassten Gleichgewicht mit seiner Umwelt. Er reagiert auf deren Reize und passt sich ihren Veränderungen stets so an, dass seine Struktur und Funktionen erhalten bleiben. Gesundheit ist eine Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit. Beeinflussen Faktoren den Organismus, deren Auswirkungen er nicht mehr voll ausbalancieren vermag, so kann es zur Krankheit kommen. Solche Faktoren können sowohl gewohnte Umweltbedingungen in veränderter Quantität als auch qualitativ neue Einwirkungen sein. Als Ergebnis der gestörten Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Organismus treten Veränderungen in dessen Struktur und Funktion oder schliesslich Schädigungen auf. Es werden aber auch Schutzmassnahmen und Gegenreaktionen hervorgerufen, die zur Aufrechterhaltung des Lebens, zur Fortführung der Funktionen auch unter den neuen, veränderten Bedingungen und zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Struktur führen sollen. Durch Schädigung bewirkte Minderfunktion eines Teilsystems des Organismus kann durch verstärkte und angepasste Tätigkeit anderer Teilsysteme ausgeglichen, kompensiert, werden. Alle diese Vorgänge sind meist eng verbunden. Ausser von ihnen ist die Erhaltung der Gesundheit eines Tierbestandes nicht zuletzt davon abhängig, in wie weit durch sachgemässe Betreuung Störfaktoren ausgeschaltet werden können.

In der Entwicklung einer Krankheit unterscheidet man verschiedene Stadien. Unter verborgenen oder latenten Stadien versteht man den Zeitabschnitt vom Einwirken der Schädigung bis zu den ersten Krankheitszeichen; bei Infektionskrankheiten wird diese Periode als Inkubationszeit bezeichnet. Die ersten Krankheitszeichen sind häufig allgemeiner Natur und nicht für eine bestimmte Krankheit charakteristisch; der Zeitabschnitt von ihrem Auftreten bis zur völligen Ausbildung einer Krankheit wird als Prodromal- oder Vorläuferstadium bezeichnet. Ihm folgt das manifeste Krankheitsstadium mit voll ausgeprägten, typischen Krankheitssymtomen, in dem die Diagnose am wenigsten Schwierigkeiten bereitet. Zur wirksamen Bekämpfung und zur Einschränkung von Leistungsminderungen sollte eine Krankheit aber möglichst schon in einem frühen Stadium erkannt, und Gegenmassnahmen sollten so zeitig wie möglich eingeleitet werden. Eine Krankheit kann per akut, schlagartig, verlaufen oder akut, schnell, oder subakut, verzögert, langsamer, oder chronisch, d. h. über einen längeren oder gar langen Zeitraum, oder es kann sich ein Leiden, eine bleibende Funktions- und Strukturbeeinträchtigung, entwickeln. Nach einer Krankheit ist Heilung möglich, u. U. mit Folgeerscheinungen (z. B. Narben), die Funktion und Struktur verändert haben, oder eine völlige Wiederherstellung des Zustandes vor Eintritt der Krankheit- es kann auch Besserung des Gesundheitszustandes eintreten, ohne dass gestörte Funktionen vollständig wiederhergestellt werden. Eine Krankheit kann und auch zum Tod führen.

Krankheiten können durch verschiedenste Ursachen ausgelöst werden, die in der Umgebung des Organismus oder in ihm selbst begründet sind, z. B. in besonderer Empfindlichkeit und Anfälligkeit, in mangelnder Anpassungsfähigkeit und Stressresistenz, in erblichen Mangeln, in einer besonderen zeitlich bedingten Anfälligkeit, in Kondition und Konstitution.

Durch unsachgemässe Fütterung können vielfältige Krankheitserscheinungen ausgelöst werden. Man unterscheidet zwischen quantitativen Störungen der Ernährung, die zu Abmagerung oder Fettsucht führen, und qualitativ unzureichender Nahrung, die vor allem Eiweiss-, Vitamin- oder Mineralstoffmangelschäden verursachen kann. Bestimmte Nahrungskomponenten können zu reichlich in einer Ration oder in ungeeigneter bzw. verdorbener Form enthalten sein. Von grosser Bedeutung sind schliesslich die Krankheitserreger. Häufig wirken mehrere Faktoren komplex krankheitsauslösend. So können z. B. Mängel in der Haltung und Fütterung Voraussetzung für das Haften einer Infektion sein.

Man darf daher bei der Bekämpfung einer Krankheit nicht nur die unmittelbare Ursache auszuschalten versuchen, sondern muss den Gesamtkomplex der Tier- Umwelt- Beziehungen optimal gestalten. Grundlage dafür ist eine gründliche Analyse des gesamten Krankheitsgeschehens und der Lebensbedingungen des erkrankten Organismus. Besondere Bedeutung für Regulation- und Anpassungsmechanismen haben bei höher organisierten Tieren das Zentralnervensystem und die endokrinen Drüsen, wie Hirnanhangdrüse, Nebennieren und Schilddrüse; bei Erkrankungen können aber auch alle anderen Systeme mehr oder weniger beteiligt sein. Die Reaktionsfähigkeit eines Organismus ist sehr von seinem augenblicklichen Zustand, Alter, Funktionsstatus (z. B. Legetätigkeit, Mauser) und Ernährungszustand abhängig; das muss bei Bemühungen zur Verhütung von Krankheiten berücksichtigt werden.

 

Autor: Hans- Uwe Schwarz

 

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